Germaniva Smart German Learning · Stories & Tests
← Geschichten
B1 · Echte Geschichte

Der Fund im Park

Bremen · Park · Nachmittag

Audio-Geschichte: deutsche Stimme, englische Übersetzung, Maus über jedem Wort für eine Echtzeit-Übersetzung, danach ein Test.

Der Fund im Park – Deutsch lernen mit Geschichte, German story B1 · Echte Geschichte
Hover-Übersetzung ?Maus auf ein Wort → eine englische Übersetzung und der Artikel.
0 / 0
Teile
Der Fund im Park

Yusuf hatte an diesem Dienstag frei und ging nach dem Frühstück in den Bürgerpark. Der Park🇬🇧 …der lag still unter einem hohen, hellen Himmel, und die Wege glänzten noch vom Nachtregen. Er wollte eine Stunde ohne Klingel und ohne langen Flur sitzen. In der Pflege lernte er viel, aber die Stille übte er nur draußen.

Er setzte sich auf eine Bank🇬🇧 benchdie am Teich und stellte den Rucksack neben sich. Die Bank war feucht, also legte er seine Jacke unter. Enten zogen langsame Kreise, und irgendwo bellte ein Hund🇬🇧 dogder kurz und freundlich. Yusuf schloss für einen Moment die Augen und hörte nur Wasser und Schritte.

Als er die Hand ausstreckte, fühlte er etwas Hartes unter der Sitzkante. Es war ein Notizbuch🇬🇧 notebookdas mit grauem Einband und einem Gummiband. Zuerst dachte er, es gehöre dem Mann, der eben vorbeigegangen war. Dann sah er, dass niemand sich umdrehte.

Er öffnete das Notizbuch🇬🇧 notebookdas nicht sofort ganz. Ein Fund🇬🇧 discoveryder auf einer Bank🇬🇧 benchdie konnte privat sein, und er wollte nicht in fremden Sätzen stöbern. Auf der ersten Seite, die halb herausschaute, standen jedoch ein Name und eine Uhrzeit. Herr Pohl, Café🇬🇧 cafedas am Teich, um vier, wenn jemand das Heft findet.

Yusuf las nur diese Zeile und klappte das Notizbuch🇬🇧 notebookdas wieder zu. Der Fund🇬🇧 discoveryder gehörte klar zu einem Menschen, der damit rechnete, ihn vielleicht zu verlieren. Er steckte das Heft in den Rucksack und nahm sich vor, um vier wieder an derselben Stelle zu sein. Vorher wollte er den Weg🇬🇧 pathder einmal um den Teich gehen.

Nach wenigen Metern blieb er stehen. Neben einem Baum stand ein Kinderwagen🇬🇧 strollerder, und kein Erwachsener war zu sehen. Yusuf ging näher, ohne den Wagen anzufassen, und sah ein schlafendes Kind unter einer leichten Decke. Sein Puls wurde schnell, doch er rief nicht laut, damit das Kind nicht erschrak.

Er blieb neben dem Kinderwagen🇬🇧 strollerder und schaute den Weg🇬🇧 pathder auf und ab. Eine Frau kam eilig von einem kleinen Stand, eine Flasche Wasser in der Hand, und wurde blass, als sie ihn sah. Yusuf sagte sofort, er habe nur gewartet und nichts berührt. Die Frau, Frau Abbas, atmete aus und dankte ihm mit einer Stimme, die noch zitterte.

Sie erklärte, die Bremse sei fest gewesen und sie habe nur Wasser holen wollen, weil das Kind geschlafen habe. Yusuf nickte, ohne zu belehren, und sagte, ein kurzer Blick von außen tue manchmal gut. Frau Abbas setzte sich auf die nächste Bank🇬🇧 benchdie und hielt den Griff fest. Der Hund🇬🇧 dogder eines Spaziergängers trottete vorbei und interessierte sich mehr für die Enten als für die Menschen.

Yusuf ging weiter den Weg🇬🇧 pathder entlang und ließ den beiden Ruhe. Er dachte darüber nach, wie schnell ein Park🇬🇧 …der zugleich schön und unsicher wirken kann. Man muss nicht den Helden spielen, aber man sollte auch nicht einfach wegsehen. Dieser Satz begleitete ihn bis zur großen Wiese.

Um halb vier saß er wieder auf derselben Bank🇬🇧 benchdie. Das Notizbuch🇬🇧 notebookdas lag geschlossen auf seinen Knien. Er beobachtete das Café🇬🇧 cafedas am Teich, einen kleinen Holzbau mit vielen Fenstern. Menschen kamen mit Zeitungen, mit Kindern und mit einem weiteren Hund🇬🇧 dogder.

Kurz vor vier trat ein älterer Mann mit einer Schiebermütze ein und schaute sich suchend um. Yusuf stand auf, ging hinüber und fragte, ob er Herr Pohl sei. Der Mann sah das Notizbuch🇬🇧 notebookdas und wurde ganz still. Dann sagte er ja, das sei seines, und seine Hände zitterten vor Freude, nicht vor Ärger.

Im Café🇬🇧 cafedas bestellte Herr Pohl zwei Tassen Tee und bestand darauf zu zahlen. Er erzählte, dass er seit Jahren Vögel im Park🇬🇧 …der notiere, weil seine Frau das früher mit ihm getan habe. Das Notizbuch🇬🇧 notebookdas sei kein Tagebuch voller Geheimnisse, sondern eine Liste von Farben, Rufen und Uhrzeiten. Trotzdem wäre der Verlust schlimm gewesen, weil die Seiten nur auf Papier lagen.

Er zeigte Yusuf eine Zeichnung eines Eisvogels, blau und fast unglaublich hell. Yusuf sagte, seine kleine Schwester in Bremen-Nord male genau solche Farben. Herr Pohl riss keine Seite heraus, aber er schrieb den Namen des Vogels säuberlich auf einen Zettel. Yusuf steckte den Zettel ein wie ein kleines Geschenk.

Sie sprachen auch über den Kinderwagen🇬🇧 strollerder, weil Yusuf die Stunde nicht vergessen konnte. Herr Pohl meinte, Aufmerksamkeit sei eine höfliche Form von Mut. Man bleibe stehen, man sage klar, was man tue, und man gehe, wenn die Sache wieder sicher sei. Yusuf fand, das klinge nach einem guten Grundsatz für den Beruf und für den Nachmittag.

Später kam Frau Abbas mit dem Kinderwagen🇬🇧 strollerder am Café🇬🇧 cafedas vorbei und erkannte Yusuf. Sie hob die Hand und sagte, das Kind sei aufgewacht und habe gelacht. Yusuf hob ebenfalls die Hand. Es brauchte kein langes Gespräch mehr, und genau das war in Ordnung.

Herr Pohl schrieb vorn ins Notizbuch🇬🇧 notebookdas nun auch eine Telefonnummer, nicht nur den Hinweis auf das Café🇬🇧 cafedas. Er sagte, ein Fund🇬🇧 discoveryder solle einen Weg🇬🇧 pathder zurück haben, der nicht vom Zufall abhänge. Yusuf nannte seinen Namen, damit Herr Pohl wisse, wem er danken könne. Sie trennten sich ohne große Worte, aber nicht ohne Wärme.

Auf dem Weg🇬🇧 pathder zum Ausgang bellte wieder ein Hund🇬🇧 dogder, diesmal weit entfernt. Der Park🇬🇧 …der wurde gegen Abend goldener, und die Bank🇬🇧 benchdie am Teich war von anderen Leuten besetzt. Yusuf dachte, dass Orte Erinnerungen sammeln, auch wenn sie nur aus Holz und Wasser bestehen. Sein Rucksack war ohne das Heft leichter und trotzdem voller.

Zu Hause erzählte er seiner Mitbewohnerin nicht alles, nur den Eisvogel und die Stunde auf der Bank🇬🇧 benchdie. Sie sagte, er habe den freien Tag nicht verschwendet. Yusuf stellte den Zettel an die Wand über dem Tisch. Der Name des Vogels sah aus wie ein kleines Versprechen, genauer hinzusehen.

Am nächsten Morgen ging er wieder in die Praxis, aufmerksam und weniger müde als sonst. Er grüßte die Menschen im Flur etwas langsamer und wartete, bis sie wirklich antworteten. Wer im Park🇬🇧 …der stehen bleiben kann, kann auch bei der Arbeit genauer hinschauen. Das war keine Lehre an der Tafel, aber sie trug durch den Vormittag.

Eine Woche später fand er im Briefkasten eine Karte ohne langen Text. Herr Pohl hatte den Eisvogel noch einmal gezeichnet und darunter geschrieben, der Fund🇬🇧 discoveryder sei gut angekommen. Yusuf lächelte in dem stillen Hausflur. Bremen fühlte sich an diesem Morgen ein Stück näher an.

Vollständige englische Übersetzung

English audio
0 / 0
parts

Yusuf was off that Tuesday and went to the Bürgerpark after breakfast. The park lay quiet under a high, bright sky, and the paths still shone from the night rain. He wanted an hour without a bell and without a long corridor. In nursing he was learning a great deal, but he practiced silence only outdoors.

He sat down on a bench by the pond and set his backpack beside him. The bench was damp, so he put his jacket underneath. Ducks drew slow circles, and somewhere a dog barked briefly and in a friendly way. Yusuf closed his eyes for a moment and heard only water and footsteps.

When he reached out his hand, he felt something hard under the edge of the seat. It was a notebook with a gray cover and a rubber band. At first he thought it belonged to the man who had just walked past. Then he saw that nobody turned around.

He did not open the notebook all the way at once. A find on a bench could be private, and he did not want to rummage through someone else's sentences. On the first page, which stuck out halfway, there were nevertheless a name and a time. Herr Pohl, café by the pond, at four, if someone finds the notebook.

Yusuf read only that line and closed the notebook again. The find clearly belonged to a person who reckoned he might lose it. He put the notebook in his backpack and decided to be back in the same place at four. Before that he wanted to walk the path once around the pond.

After a few meters he stopped. Beside a tree stood a stroller, and no adult was in sight. Yusuf went closer without touching the stroller and saw a sleeping child under a light blanket. His pulse grew fast, but he did not call out loudly, so the child would not be startled.

He stayed beside the stroller and looked up and down the path. A woman came hurrying from a small stand, a bottle of water in her hand, and turned pale when she saw him. Yusuf said at once that he had only waited and had touched nothing. The woman, Frau Abbas, breathed out and thanked him in a voice that was still shaking.

She explained that the brake had been on and that she had only wanted to fetch water because the child was asleep. Yusuf nodded without lecturing and said a short look from outside sometimes did good. Frau Abbas sat down on the next bench and held the handle tight. A walker's dog trotted past and was more interested in the ducks than in the people.

Yusuf walked on along the path and left the two of them in peace. He thought about how quickly a park can seem both beautiful and unsafe. You do not have to play the hero, but you should not simply look away either. That sentence stayed with him as far as the big meadow.

At half past three he was sitting on the same bench again. The notebook lay closed on his knees. He watched the café by the pond, a small wooden building with many windows. People came with newspapers, with children, and with another dog.

Just before four an older man in a flat cap came in and looked around as if he were searching. Yusuf stood up, went over, and asked whether he was Herr Pohl. The man saw the notebook and became completely still. Then he said yes, it was his, and his hands trembled with joy, not with anger.

In the café Herr Pohl ordered two cups of tea and insisted on paying. He said he had been noting birds in the park for years because his wife used to do it with him. The notebook was not a diary full of secrets, but a list of colors, calls, and times. Even so, the loss would have been bad because the pages existed only on paper.

He showed Yusuf a drawing of a kingfisher, blue and almost unbelievably bright. Yusuf said his little sister in Bremen-Nord painted exactly those colors. Herr Pohl did not tear out a page, but he wrote the bird's name neatly on a slip of paper. Yusuf put the slip away like a small gift.

They also spoke about the stroller, because Yusuf could not forget that hour. Herr Pohl thought attention was a polite form of courage. You stay, you say clearly what you are doing, and you leave when the matter is safe again. Yusuf thought that sounded like a good principle for the job and for the afternoon.

Later Frau Abbas came past the café with the stroller and recognized Yusuf. She raised her hand and said the child had woken and laughed. Yusuf raised his hand too. No long conversation was needed anymore, and that was exactly right.

At the front of the notebook Herr Pohl now wrote a phone number as well, not only the note about the café. He said a find ought to have a way back that did not depend on chance. Yusuf gave his name so that Herr Pohl would know whom to thank. They parted without big words, but not without warmth.

On the way to the exit a dog barked again, this time far off. Toward evening the park turned more golden, and the bench by the pond was taken by other people. Yusuf thought that places collect memories even when they are made only of wood and water. His backpack was lighter without the notebook and still fuller.

At home he did not tell his roommate everything, only the kingfisher and the hour on the bench. She said he had not wasted his day off. Yusuf pinned the slip on the wall above the table. The bird's name looked like a small promise to look more closely.

The next morning he went back to the clinic, attentive and less tired than usual. He greeted the people in the corridor a little more slowly and waited until they really answered. Anyone who can stop in the park can also look more carefully at work. It was not a lesson on the board, but it carried him through the morning.

A week later he found a card in the mailbox with no long text. Herr Pohl had drawn the kingfisher once more and written underneath that the find had arrived safely. Yusuf smiled in the quiet stairwell. Bremen felt a little closer that morning.

🌱
Lebenslektion

Hinsehen ist oft genug: bleiben, klar sagen, was man tut, und wieder gehen, wenn alles sicher ist.

Looking closely is often enough: stay, say clearly what you are doing, and leave again when all is safe.

📝 Tests / Übungen

Beantworte die Fragen. Bei 100 % gibt es eine Überraschung.

1. Was findet Yusuf auf der Bank am Teich?

2. Warum bleibt Yusuf beim Kinderwagen stehen?

3. Wohin soll der Fund laut der Notiz?

4. Was steht vor allem in dem Notizbuch?

5. Was schreibt Herr Pohl für Yusuf auf einen Zettel?

6. Was liegt eine Woche später im Briefkasten?

📚 Wichtige Wörter · Important Words

der = blau die = rot das = grün

der Park
[park]
DEErklärung

(meist künstlich angelegte) große Grünfläche mit Bäumen (und Zierpflanzen), die besonders in Städten der Erholung dient; relativ großes, unter Naturschutz stehendes, weitgehend naturbelassenes Gebiet

der Fund
[foont]
discovery
DEErklärung

Das, was aufgefunden, entdeckt worden ist; das Auffinden, Entdecken von etw

die Bank
[bank]
bench
DEErklärung

Sitz für mehrere Personen nebeneinander, meist aus Holz; ohne Ausnahme

der Kinderwagen
[KIN-der-vah-gen]
stroller
DEErklärung

Transportmittel, in dem Babys und Kleinkinder sitzend oder liegend befördert werden

das Notizbuch
[no-TEETS-bookh]
notebook
DEErklärung

Taschenbuch für Notizen

der Hund
[hoont]
dog
DEErklärung

Kleines oder mittelgroßes, zu den Raubtieren gehörendes Säugetier mit feinem Gehör und Geruchssinn, das wegen seiner Gelehrigkeit und Treue als Haustier gehalten, in unterschiedlichen Rassen gezüchtet und besonders als Wächter und bei

der Weg
[vayk]
path
DEErklärung

Natürliche, durch Festtreten entstandene oder künstlich angelegte, nicht oder nur wenig dauerhaft befestigte, relativ schmale Bahn, besonders für Fußgänger; Strecke, die zurückgelegt werden muss, um an ein bestimmtes Ziel zu gelangen

das Café
[ka-FAY]
cafe
DEErklärung

Gaststätte

der Termin
[tɛʁˈmiːn]
appointment
DEErklärung

Festgelegter Zeitpunkt, Tag; für die Fertigstellung, Abgabe von etw., besonders einer Arbeit, festgelegter Zeitpunkt

der Antrag
[ˈantʁaːk]
application
DEErklärung

Bitte um einen Beschluss; Vorschlag

die Nummer
[ˈnʊmɐ]
number
DEErklärung

Zahl, Ziffer, die zur Kennzeichnung dient; Ziffer‍(nfolge), die die Position in einer Reihenfolge, Rangfolge oder Warteschlange angibt

der Ausweis
[ˈaʊsvaɪs]
ID card
DEErklärung

Amtliches Dokument mit Foto und persönlichen Daten, mit dem Bürger eines Landes ihre Identität und ihr Alter nachweisen; persönliches Dokument, das bestätigt, dass eine Person Mitglied einer Institution, Organisation o. Ä. ist oder zu

Dein Lernbericht

Derselbe Anschluss wird wiedererkannt, ohne dass die IP-Adresse gespeichert wird. Nur eine Prüfsumme liegt auf dem Server. Daneben zählt dieses Gerät die Seiten, die du schon geöffnet hast.

0Bereiche
0Geschichten
0Tests geschafft
0Seitenaufrufe

Noch kein Weg gespeichert. Öffne eine Geschichte oder einen Test.