Navid stand kurz vor Mitternacht auf dem Bahnsteig in Frankfurt und hielt seine Fahrkarte🇬🇧 ticketdie fest in der Hand. Der Zug🇬🇧 trainder nach Leipzig sollte in wenigen Minuten einfahren, und sein Herz schlug schneller als die Uhr. Am nächsten Morgen wartete ein Gespräch in einer kleinen Werkstatt für Buchgestaltung. Er hatte die Stelle seit Wochen gewollt und trotzdem schlecht geschlafen.
Als der Zug🇬🇧 trainder kam, wirkte er lang, dunkel und ein wenig müde. Navid zog den Koffer🇬🇧 suitcaseder über die Stufe und suchte den Wagen, der auf seiner Fahrkarte🇬🇧 ticketdie stand. Im Gang roch es nach Metall, nach Kaffee und nach nasser Kleidung. Die Menschen sprachen leise, weil die Nacht🇬🇧 nightdie schon an allen Türen klebte.
Im Abteil🇬🇧 compartmentdas saß eine Frau mit einem schmalen Geigenkasten auf dem Schoß. Sie stellte sich als Frau Engel vor und sagte, sie fahre zu einer Probe nach Leipzig. Navid hob den Koffer🇬🇧 suitcaseder ins Gepäcknetz und setzte sich ans Fenster. Draußen glitten Lichter vorbei, dann wurde die Strecke schwarz.
Er wollte lesen, aber die Sätze rutschten ihm weg. Immer wieder prüfte er die Fahrkarte🇬🇧 ticketdie, obwohl er wusste, dass Zeit und Wagen stimmten. Frau Engel bemerkte seine Unruhe und fragte, ob er zum ersten Mal in diese Stadt🇬🇧 citydie fahre. Navid sagte, er kenne Leipzig nur von Bildern und von einem kurzen Besuch vor Jahren.
Plötzlich öffnete der Schaffner🇬🇧 conductorder die Tür und bat um die Fahrausweise. Navid reichte ihm die Fahrkarte🇬🇧 ticketdie mit beiden Händen, als könnte sie sonst verloren gehen. Der Schaffner runzelte die Stirn und sagte, der reservierte Platz liege einen Wagen weiter. Navid wurde heiß, weil er die anderen im Abteil🇬🇧 compartmentdas nicht stören wollte.
Der Schaffner🇬🇧 conductorder blieb ruhig und erklärte den Weg in kurzen, klaren Sätzen. Er sagte, in der Nacht🇬🇧 nightdie sei ein freier Sitz keine Katastrophe, solange niemand den Platz brauche. Frau Engel meinte, Navid könne bleiben, bis jemand komme. Der Schaffner nickte, lochte die Fahrkarte🇬🇧 ticketdie und wünschte eine gute Fahrt.
Navid atmete aus und bedankte sich zweimal. Er erzählte, dass am Morgen ein Gespräch über seine Mappe warte und dass er Angst vor der ersten Frage habe. Frau Engel lächelte und sagte, Angst sei oft nur der Wunsch, es gut zu machen. Sie selbst werde vor jeder Probe nervös, auch nach dreißig Jahren auf der Bühne.
Sie sprach über Leipzig, über stille Höfe, über die Weite am Bahnhof🇬🇧 stationder und über Bäckereien, die früh öffnen. Navid hörte zu und stellte Fragen, statt nur zu nicken. Draußen zog die Nacht🇬🇧 nightdie an den Fenstern vorbei, tief und ohne Eile. Im Abteil🇬🇧 compartmentdas wurde es warm, und das Rattern bekam einen gleichmäßigen Takt.
Gegen zwei Uhr stieg ein Student zu und setzte sich gegenüber. Er aß ein Brot, bot höflich nichts an und schlief bald mit dem Kopf an der Scheibe. Frau Engel legte ein Tuch über ihren Geigenkasten. Navid schrieb drei Sätze in ein Heft, die er am Morgen sagen wollte.
Er schrieb, warum er Bücher nicht nur schön, sondern brauchbar machen wolle. Er schrieb, dass er in Frankfurt in einer Druckerei gelernt habe, genau zu sein. Und er schrieb, dass er umziehen könne, wenn die Arbeit echt sei. Die Sätze waren schlicht, aber sie gehörten ihm und nicht einem Muster.
Irgendwann döste er ein und träumte von einem langen Gang. Im Traum wurde der Koffer🇬🇧 suitcaseder immer schwerer, und die Türen hatten keine Nummern. Als er aufwachte, war sein Nacken steif, und Frau Engel hielt ihm eine Flasche Wasser hin. Sie sagte, der Zug🇬🇧 trainder sei pünktlich, und das sei in dieser Nacht🇬🇧 nightdie ein kleines Geschenk.
Kurz vor Leipzig wurde der Himmel grau statt schwarz. Navid ging in den Gang, wusch sich das Gesicht und zog ein sauberes Hemd aus dem Koffer🇬🇧 suitcaseder. Seine Hände zitterten nur noch wenig. Im Spiegel sah er müde aus, aber nicht mehr verloren.
Der Schaffner🇬🇧 conductorder kam noch einmal vorbei und sagte, der Bahnhof🇬🇧 stationder sei in zehn Minuten erreicht. Er erinnerte Navid daran, den Koffer🇬🇧 suitcaseder nicht im Netz zu vergessen. Navid bedankte sich, und diesmal klang seine Stimme leichter. Frau Engel wünschte ihm ein Gespräch, in dem er selbst sprechen dürfe und nicht nur gefallen müsse.
Als der Zug🇬🇧 trainder hielt, war der Bahnhof🇬🇧 stationder groß, hell und voller früher Stimmen. Navid stieg aus und spürte kalte Luft im Gesicht. Die Stadt🇬🇧 citydie lag noch halb im Schlaf, aber die Bahnen fuhren schon. Er blieb einen Moment stehen und ließ den Lärm sich ordnen.
Frau Engel zeigte ihm den Weg zum Ausgang und nannte eine Bäckerei um die Ecke. Sie sagte, ein warmes Brötchen sei vor einem wichtigen Morgen besser als noch ein kreisender Gedanke. Dann verschwand sie mit dem Geigenkasten in der Menge. Navid sah ihr nach und hob die Hand, obwohl sie es nicht mehr sah.
In der Bäckerei bestellte er etwas Warmes und wiederholte leise seine drei Sätze. Eine Verkäuferin hörte das Wort Leipzig und lächelte, als sei die Stadt🇬🇧 citydie ein Mensch, den man begrüßen könne. Navid aß langsam und ließ den Koffer🇬🇧 suitcaseder zwischen den Füßen stehen. Die Müdigkeit blieb, aber die Enge in der Brust ließ nach.
Die Werkstatt lag in einer Seitenstraße südlich vom Zentrum, in einem Hof mit hohen Fenstern. Navid kam zu früh an und setzte sich auf eine Stufe, den Koffer🇬🇧 suitcaseder zwischen den Knien. Er dachte an den Schaffner🇬🇧 conductorder, an das Abteil🇬🇧 compartmentdas und an den Rat, nicht nur gefallen zu wollen. Als die Tür aufging, stand er ruhig auf.
Drinnen roch es nach Papier, Kleister und altem Holz. Eine Frau namens Frau Sokol bat ihn herein und sagte, der frühe Zug🇬🇧 trainder sei eine ehrliche Art anzukommen. Navid legte seine Mappe auf den Tisch und begann mit den Sätzen aus der Nacht🇬🇧 nightdie. Seine Stimme war heiser, aber klar genug.
Sie unterbrachen ihn nicht beim ersten Blatt. Frau Sokol fragte nach einem Detail an einem Umschlag, und er konnte es erklären, weil er es selbst gemacht hatte. Draußen wurde es heller über der Stadt🇬🇧 citydie. Navid merkte, dass er nicht mehr nur Angst hatte, sondern auch Lust auf die Arbeit.
Am Ende sagten sie nicht ja und nicht nein, sondern dass sie sich am Freitag melden würden. Navid trat wieder auf die Straße und ließ den Koffer🇬🇧 suitcaseder diesmal leichter rollen. Der Zug🇬🇧 trainder hatte ihn nicht nur in die Stadt🇬🇧 citydie gebracht. Er hatte ihm in der Nacht🇬🇧 nightdie ein paar Menschen geliehen, die ihn gerade genug gehalten hatten.
