Am Sonntagmorgen ist die Wohnung in Bremen-Walle noch leise. Lina steht barfuß in der Küche🇬🇧 kitchendie und hört den Regen🇬🇧 rainder an der Scheibe. Ihr Vater Karim stellt Wasser auf und holt Brot🇬🇧 breaddas aus dem Schrank. Heute müssen sie nicht hetzen, und das ist selten.
Auf dem Tisch am Fenster🇬🇧 windowdas stehen schon zwei blaue Gefäße. Jede Tasse🇬🇧 cupdie hat einen kleinen Sprung, den man nur im hellen Licht sieht. Karim sagt, die Sprünge seien nicht schlimm, solange der Tee darin bleibe. Lina nickt und schiebt den Stuhl🇬🇧 chairder näher an den Tisch.
Der Stuhl🇬🇧 chairder quietscht ein wenig auf dem Boden. Lina setzt sich und zieht den Vorhang🇬🇧 curtainder zur Seite, damit sie die Straße sieht. Der Vorhang ist hell und ein bisschen zu lang für das Fenster🇬🇧 windowdas. Draußen läuft der Regen🇬🇧 rainder über das Pflaster, und die Autos fahren langsam.
Karim gießt den Tee aus der Teekanne🇬🇧 teapotdie vorsichtig ein. Die Teekanne ist schwer, darum hält er den Deckel mit einem Finger fest. Es duftet nach Minze und nach etwas Warmen. Lina hält ihre Tasse🇬🇧 cupdie mit beiden Händen und pustet langsam.
Sie essen Brot🇬🇧 breaddas mit Käse und ein paar Gurkenscheiben. Das Brot ist vom Vortag, aber es schmeckt noch gut, wenn es warm wird. Krümel fallen auf den Tisch am Fenster🇬🇧 windowdas. Niemand schimpft, denn sie wischen später in Ruhe.
Karim schaut aus dem Fenster🇬🇧 windowdas und sagt, dass er morgen eine neue Arbeit beginnt. Er wird in einem Lager am Hafen Kisten prüfen und Zeiten aufschreiben. Er hat ein wenig Angst, die Wörter dort schnell genug zu verstehen. Lina hört zu und isst langsamer als sonst.
Sie sagt, er könne die Sätze heute mit ihr üben, hier am Fenster🇬🇧 windowdas. Karim lächelt und übt, wo die Rampe sei, dass ein Papier fehle und dass er Hilfe bei einer Kiste brauche. Lina wiederholt die Sätze klar und ohne Eile. Danach sagt sie, seine Stimme klinge schon sicher genug für den Montag.
Dann ist Lina an der Reihe, denn am Montag spricht sie in der Schule über die Weser. Sie soll vor der Klasse stehen und nicht zu leise werden. Karim stellt die Teekanne🇬🇧 teapotdie zur Seite und tut so, als sei er die Klasse. Lina steht auf, lässt den Stuhl🇬🇧 chairder stehen und beginnt mit einem festen ersten Satz.
Sie sagt, die Weser laufe durch Bremen und sei wichtig für Schiffe und für die Menschen. Einmal fehlt ihr ein Wort, und sie schaut zum Fenster🇬🇧 windowdas in den Regen🇬🇧 rainder. Der Regen hilft ihr nicht, aber ihr Vater schon, und er sagt leise das Wort Fluss. Lina nickt, atmet ein und macht den Vortrag zu Ende.
Nach dem Üben setzen sie sich wieder an den Tisch. Die Tasse🇬🇧 cupdie von Lina ist fast leer, und die Tasse von Karim auch. Er schenkt aus der Teekanne🇬🇧 teapotdie noch einmal nach, langsam und gerade. Der zweite Tee ist stärker und ein wenig bitter, also nimmt Lina einen Löffel Honig.
Sie reden über den Montag, ohne ihn größer zu machen, als er ist. Karim sagt, ein Anfang dürfe holprig sein und trotzdem gelten. Lina sagt, ein Vortrag dürfe auch eine kleine Pause haben. Beide lachen, weil sie sich gegenseitig Mut geben, und der Regen🇬🇧 rainder wird etwas leiser.
Unten auf der Straße geht Herr Petersen mit einer Tüte vom Bäcker. Er wohnt unter ihnen und grüßt nach oben, obwohl er die Gesichter hinter dem Fenster🇬🇧 windowdas kaum erkennt. Lina öffnet das Fenster einen Spalt und ruft einen guten Morgen hinunter. Kalte Luft und der Geruch von Regen🇬🇧 rainder kommen kurz herein.
Sie schließt das Fenster🇬🇧 windowdas schnell wieder, denn der Tee soll warm bleiben. Karim schiebt den Vorhang🇬🇧 curtainder zurecht, damit der Stoff nicht nass wird. Der Vorhang bewegt sich noch einen Augenblick und hängt dann still. Lina sagt, der Tag sehe grau aus, aber nicht unfreundlich.
Später schneidet Karim mehr Brot🇬🇧 breaddas und macht zwei Stücke für die Tasche am Montag. Er schreibt Linas Namen auf ein Stück Papier und legt es dazu, damit nichts verwechselt wird. Lina packt ihre Blätter in eine neue Mappe, die noch steif ist. Die Mappe kommt an die Tür, nicht irgendwo unter einen Stuhl🇬🇧 chairder.
Sie bleiben noch eine Weile am Fenster🇬🇧 windowdas sitzen und müssen nicht viel sagen. Manchmal ist Reden gut, und manchmal reicht eine volle Tasse🇬🇧 cupdie. Karim legt die Hand kurz auf Linas Schulter, ohne einen langen Satz. Sie lehnt sich an ihn und hört nur den Regen🇬🇧 rainder.
Lina fragt, ob er am Hafen allein essen wird. Karim sagt, in der Pause gebe es einen Raum mit einem Tisch und vielleicht eine Kollegin oder einen Kollegen. Er werde höflich fragen, wenn er etwas nicht verstehe. Lina sagt, genau das habe er ihr auch für die Schule gesagt, und sie müsse es selbst benutzen.
Gegen Mittag hört der Regen🇬🇧 rainder fast auf, und auf der Straße glänzen die Pfützen. Lina will später in den Hof, aber jetzt noch nicht, weil es in der Küche🇬🇧 kitchendie so ruhig ist. Sie spült die Teekanne🇬🇧 teapotdie und danach jede Tasse🇬🇧 cupdie sorgfältig. Karim trocknet ab und stellt alles auf das Brett über der Spüle.
Auf dem Brett stehen die zwei Gefäße nebeneinander, blau und ein wenig ungleich, und eine Tasse🇬🇧 cupdie hat den Sprung zur Wand. Das Fenster🇬🇧 windowdas ist wieder klar, ohne Tropfen. Der Vorhang🇬🇧 curtainder hängt gerade, und der Stuhl🇬🇧 chairder steht ordentlich am Tisch. In der Küche🇬🇧 kitchendie riecht es nach Minze, nach Brot🇬🇧 breaddas und nach Seife.
Karim sagt, sie sollen den Abend ruhig halten und früh schlafen. Lina legt die Schulsachen noch einmal an die Tür, damit sie sie am Morgen nicht sucht. Sie übt den ersten Satz über die Weser noch einmal laut in der Küche🇬🇧 kitchendie. Danach ist sie fertig, und ihr Gesicht ist zufrieden.
Bevor sie das Licht in der Küche🇬🇧 kitchendie ausmacht, schaut sie noch einmal zum Fenster🇬🇧 windowdas. Der Regen🇬🇧 rainder ist nur noch ein feiner Glanz auf dem Glas, kein lautes Prasseln mehr. Zwei Gefäße und eine warme Tasse🇬🇧 cupdie haben den Morgen gehalten. Der Montag kann kommen, und sie müssen ihm nicht davonlaufen.
