Sina hat um elf ein Vorstellungsgespräch🇬🇧 job interviewdas. Die Mappe ist dünn: Lebenslauf🇬🇧 CVder, Zeugnis🇬🇧 referencedas, drei Fragen auf einem Zettel.
Im Spiegel übt sie nicht ein Lächeln. Sie übt den Satz: Können Sie das bitte wiederholen.
Das Büro liegt im dritten Stock. Der Aufzug piept. Sie kommt acht Minuten zu früh und setzt sich, ohne das Handy laut zu stellen.
Die Chefin heißt Frau Hartung. Sie reicht die Hand, nicht die Abkürzung🇬🇧 abbreviationdie. Sina sagt den Namen richtig, nicht ungefähr.
Erste Frage: Warum diese Stelle🇬🇧 positiondie. Sina sagt nicht Traum. Sie sagt: Ich kann Tabellen und ich lerne schnell, wenn jemand erklärt.
Zweite Frage: Schwäche. Sina sagt: Ich frage nach, wenn ein Wort fehlt. Frau Hartung notiert etwas. Das ist kein Tadel.
Sina hat selbst drei Fragen: Probezeit🇬🇧 probationdie, Arbeitszeit, Team. Wer nur antwortet, verkauft sich. Wer fragt, prüft den Vertrag.
Probezeit🇬🇧 probationdie sechs Monate. Gehalt🇬🇧 salarydas brutto, nicht netto. Sina schreibt die Zahl auf, bevor sie nickt.
Nach zwanzig Minuten: Wir melden uns. Sina sagt Danke und geht, ohne noch einmal zu erklären, wer sie ist.
Am Abend kommt die Mail. Zusage. Bitte Personalbogen🇬🇧 personnel formder, Steuer-ID, Krankenkasse🇬🇧 health insurancedie, Aufenthaltstitel🇬🇧 residence titleder.
Der erste Tag beginnt mit einer Tür, die zu leicht aufgeht, und einem Kalender, der schon voll ist.
Um elf die Besprechung🇬🇧 meetingdie. Niemand erklärt die Abkürzungen. Sie schreibt sie trotzdem auf.
Nach der Runde fragt sie den Nachbarn: Was bedeutet das dritte Kürzel. Er lacht kurz. Gute Frage.

Gute Frage ist hier eine Währung. Wer sie ausgibt, wirkt nicht klein. Er wirkt wach.
Am Nachmittag eine Mail mit zwölf Empfängern. Sina liest zweimal, bevor sie antwortet. Sie streicht ein Wort, das scharf klingt.
Die Chefin kommt vorbei. Alles klar. Sina sagt: Noch nicht. Ich prüfe die Zahlen bis vier. Noch nicht ist ehrlicher als ein falsches Ja.
In der zweiten Woche ein Fehler in einer Tabelle. Nicht ihrer. Sie sagt es leise und früh. Der Kollege🇬🇧 colleagueder wird rot. Dann dankt er.
Freitag das Protokoll🇬🇧 minutesdas. Ein Satz gehört ihr nicht. Sie schreibt: Bitte korrigieren. Montags steht der Satz richtig.
Nach einem Monat kennt sie die Kaffeemaschine und den Tonfall der Leitung. Tonfall entscheidet, ob Kritik ankommt oder verletzt.
Abends schreibt sie der Schwester nicht: Es war toll. Sie schreibt: Ich habe heute drei genaue Sätze gesagt.
Die Probezeit🇬🇧 probationdie endet ohne Rede. Ein kurzes Gut. In diesem Haus wiegt das Wort mehr als ein Roman.
Sina legt den Arbeitsvertrag🇬🇧 employment contractder hinter den Mietvertrag. Zwei Papiere, eine Richtung: bleiben dürfen, weil Arbeit eine Adresse hat.
