Dreihundert eigene Fragen von Germaniva. Dieselben Themen wie im Einbürgerungstest — Verfassung, Wahlen, Parlament, Länder, Geschichte —, aber neu formuliert. Das ist Lernstoff, keine Kopie des amtlichen Katalogs und keine Rechtsberatung.
Stimme über Google · Deutsch
Seite 1 von 10 · Grundgesetz und Grundrechte Basic Law and rights
1. In welchem Jahr wurde das Grundgesetz verkündet?
Das Grundgesetz wurde im Mai 1949 verkündet und ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Es wurde nach der nationalsozialistischen Diktatur geschaffen, um Menschenwürde, Demokratie und Grundrechte zu sichern. Seit der Einheit 1990 gilt diese Verfassung für ganz Deutschland.
2. Was sagt das Grundgesetz über die Würde des Menschen?
Artikel 1 des Grundgesetzes stellt die Würde des Menschen an den Anfang und erklärt sie für unantastbar. Sie kommt jedem Menschen zu, unabhängig von Herkunft, Pass oder Leistung. Der Staat muss sie achten und schützen und darf Menschen nicht erniedrigen oder zum bloßen Objekt machen.
3. Wer kann in Deutschland eine politische Partei verbieten?
Parteien wirken an der politischen Willensbildung mit und dürfen nicht nach Belieben von einer Regierung verboten werden. Für verfassungswidrig erklären und verbieten kann eine Partei allein das Bundesverfassungsgericht. Andere Stellen können ein Verfahren anstoßen, die Entscheidung liegt aber nur bei diesem Gericht.
4. Welche Freiheit gehört zum Schutzbereich von Artikel 5?
Artikel 5 schützt, seine Meinung zu äußern und sich aus allgemein zugänglichen Quellen zu unterrichten. Presse, Rundfunk und Film sind frei, und eine Zensur findet nicht statt. Grenzen bilden unter anderem die allgemeinen Gesetze, der Jugendschutz und das Recht der persönlichen Ehre.
5. Wie steht das Grundgesetz zur Todesstrafe?
Artikel 102 des Grundgesetzes sagt klar, dass die Todesstrafe abgeschafft ist. Weder der Bund noch ein Land darf sie wieder einführen, solange diese Bestimmung gilt. Auch der Kern der Verfassung schützt die Achtung vor dem Leben gegen eine solche Rückkehr.
6. Welche Staatsform nennt Artikel 20 für die Bundesrepublik?
Artikel 20 beschreibt die Bundesrepublik als demokratischen und sozialen Bundesstaat. Demokratie bedeutet, dass die Staatsgewalt vom Volk ausgeht. Der soziale Auftrag und die bundesstaatliche Gliederung in Länder gehören ebenfalls zu dieser grundlegenden Festlegung.
7. Von wem geht nach Artikel 20 alle Staatsgewalt aus?
Das Grundgesetz bindet die Staatsgewalt an das Volk. Wahlen und Abstimmungen sind der Weg, auf dem das Volk die Gewalt ausübt, vor allem durch die von ihm gewählten Organe. Niemand darf sich die Staatsgewalt außerhalb dieser Ordnung aneignen.
8. Welche Wahlgrundsätze schreibt Artikel 38 für den Bundestag vor?
Die Abgeordneten des Bundestags werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Allgemein heißt, dass das Wahlrecht nicht an Vermögen oder Geschlecht hängt. Frei und geheim bedeutet, dass niemand die Entscheidung erzwingen oder zuverlässig einsehen darf.
9. Was schützt Artikel 4 besonders?
Artikel 4 garantiert die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und des religiösen sowie weltanschaulichen Bekenntnisses. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet. Der Staat darf deshalb keine Religion zur Pflicht machen und muss den Glauben der Menschen achten.
10. Welche Versammlung fällt grundsätzlich unter Artikel 8?
Artikel 8 schützt das Recht, sich friedlich und ohne Waffen zu versammeln. Für Versammlungen unter freiem Himmel kann der Gesetzgeber Regeln vorsehen, etwa zur Anmeldung. Sobald eine Versammlung bewaffnet ist oder auf Gewalt setzt, verlässt sie diesen Schutz.
11. Was bedeutet Gewaltenteilung im Grundgesetz?
Die Gewaltenteilung soll Macht begrenzen. Das Parlament beschließt Gesetze, Regierung und Verwaltung führen sie aus, und unabhängige Gerichte entscheiden Streit. Keine Gewalt soll die anderen vollständig beherrschen, damit Freiheit und Kontrolle erhalten bleiben.
12. Was ist eine Verfassungsbeschwerde?
Mit der Verfassungsbeschwerde können Personen das Bundesverfassungsgericht anrufen, wenn sie sich durch die öffentliche Gewalt in Grundrechten verletzt sehen. In der Regel muss zuvor der normale Rechtsweg versucht werden. Das Gericht prüft dann, ob die Verfassung eingehalten wurde.
13. Wen binden die Grundrechte nach Artikel 1 Absatz 3?
Die Grundrechte gelten nicht nur als Programm, sondern als geltendes Recht. Sie binden Bundestag und Länderparlamente, Behörden und Gerichte. Ein Gesetz oder ein Verwaltungsakt darf den geschützten Gehalt der Grundrechte nicht beiseiteschieben.
14. Was legt Artikel 3 zur Gleichberechtigung fest?
Artikel 3 stellt alle Menschen vor dem Gesetz gleich und nennt ausdrücklich, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Benachteiligungen etwa wegen Geschlecht, Herkunft, Sprache, Glauben oder Behinderung sind dem Staat untersagt. Der Staat soll auf die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung hinwirken.
15. Dürfen die Grundsätze von Menschenwürde und Artikel 20 beseitigt werden?
Das Grundgesetz kann geändert werden, aber nicht in jedem Punkt. Die sogenannte Ewigkeitsgarantie verbietet Änderungen, die die Menschenwürde oder die Grundsätze des Artikels 20 antasten. Demokratie, Rechtsstaat, Sozialstaat und die Gliederung in Länder bleiben damit geschützt.
16. Welches Recht nennt Artikel 2 neben der freien Entfaltung der Persönlichkeit?
Jede Person hat das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit, soweit sie nicht Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung verstößt. Artikel 2 schützt außerdem Leben und körperliche Unversehrtheit. Eingriffe in diesen Schutz sind nur auf gesetzlicher Grundlage zulässig.
17. Wie behandelt Artikel 6 Ehe und Familie?
Artikel 6 stellt Ehe und Familie unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Pflege und Erziehung der Kinder sind zunächst Recht und Pflicht der Eltern. Der Staat wacht über die Ausübung dieser Pflicht und unterstützt Familien im Rahmen der Gesetze.
18. Was gewährleistet Artikel 9 unter anderem?
Artikel 9 schützt, Vereinigungen zu bilden und ihnen fernzubleiben. Vereinigungen, deren Zwecke den Strafgesetzen zuwiderlaufen oder die sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung richten, sind verboten. Für Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Arbeitgeber wird außerdem die Koalitionsfreiheit zum Schutz der Arbeitsbedingungen genannt.
19. Was folgt aus Artikel 13 für die Wohnung?
Artikel 13 erklärt die Wohnung für unverletzlich. Durchsuchungen darf grundsätzlich nur ein Richter anordnen, und das Gesetz muss die Voraussetzungen regeln. Der Schutz gilt dem Raum, in dem Menschen ihr Privatleben führen, und begrenzt staatliche Neugier.
20. Welche Aussage zum Eigentum passt zum Grundgesetz?
Artikel 14 gewährleistet Eigentum und Erbrecht. Zugleich sagt die Verfassung, dass Eigentum verpflichtet und sein Gebrauch dem Wohl der Allgemeinheit dienen soll. Inhalt und Schranken bestimmt der Gesetzgeber, Enteignung ist nur unter engen Voraussetzungen zulässig.
21. Was bedeutet die Freizügigkeit nach Artikel 11?
Alle Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet. Sie dürfen Wohnort und Aufenthalt grundsätzlich frei wählen. Beschränkungen sind nur in den engen Fällen zulässig, die das Grundgesetz selbst nennt, etwa wenn sie gesetzlich vorgesehen und zum Schutz wichtiger Güter nötig sind.
22. Gibt es in Deutschland eine Staatsreligion?
Das Grundgesetz schützt die Glaubensfreiheit und übernimmt den Grundsatz, dass es keine Staatskirche gibt. Menschen dürfen glauben, die Religion wechseln oder keiner Gemeinschaft angehören. Religiöse Neutralität des Staates ist etwas anderes als Feindschaft gegenüber Religion.
23. Was verlangt der Rechtsstaat vom Umgang mit Gesetzen?
Artikel 20 Absatz 3 formuliert den Vorrang der Verfassung und des Gesetzes. Die Gesetzgebung muss sich im Rahmen des Grundgesetzes halten. Verwaltung und Rechtsprechung dürfen nicht nach Belieben handeln, sondern müssen sich auf Recht und Gesetz stützen.
24. Sind Grundrechte schrankenlos?
Viele Grundrechte enthalten Gesetzesvorbehalte, etwa zum Schutz der Rechte anderer oder der verfassungsmäßigen Ordnung. Artikel 19 verlangt, dass ein beschränkendes Gesetz allgemein ist und den Wesensgehalt nicht antastet. Freiheit und notwendige Regeln müssen deshalb zusammen gedacht werden.
25. Muss man die Menschenwürde beantragen oder verdienen?
Die Menschenwürde ist kein Preis für Leistung und kein Privileg weniger Gruppen. Das Grundgesetz erkennt sie jedem Menschen zu, unabhängig von Alter, Gesundheit oder Status. Gerade deshalb steht sie vor den einzelnen Freiheitsrechten und darf nicht abgewogen wie ein gewöhnlicher Vorteil.
26. Welches Gericht wacht zentral darüber, dass das Grundgesetz eingehalten wird?
Das Bundesverfassungsgericht prüft unter anderem, ob Gesetze mit dem Grundgesetz vereinbar sind und ob Grundrechte verletzt wurden. Es kann verfassungswidrige Normen für nichtig erklären. Damit ist es der zentrale Hüter der Verfassung, neben den übrigen Gerichten, die das Grundgesetz ebenfalls beachten.
27. Was folgt aus der religiösen Neutralität des Staates?
Neutralität bedeutet nicht, dass Religion aus der Gesellschaft verschwinden muss. Der Staat selbst darf sich aber nicht mit einer Religionsgemeinschaft gleichsetzen oder Menschen zum Glauben zwingen. Unterschiede zwischen den Gemeinschaften muss er fair und im Rahmen der Gesetze behandeln.
28. Was sagt Artikel 5 zur Zensur?
Artikel 5 untersagt die Zensur. Meinungen und Presseberichte dürfen nicht vorab von einer staatlichen Stelle unterdrückt werden, nur weil sie missliebig sind. Verantwortlichkeit nach den allgemeinen Gesetzen, etwa bei Beleidigung oder Volksverhetzung, bleibt davon unberührt.
29. Wozu dienen die Grundrechte vor allem?
Grundrechte begrenzen den Staat und geben den Menschen einklagbare Freiheiten. Sie schützen unter anderem Leben, Glauben, Meinung, Versammlung und Eigentum in dem jeweils beschriebenen Umfang. Zugleich verpflichten sie den Staat, die gleiche Achtung jeder Person zu sichern.
30. Können die Länder das Grundgesetz einfach beiseiteschieben?
Das Grundgesetz gilt für Bund und Länder. Landesverfassungen und Landesgesetze müssen sich in diesem Rahmen halten, und Bundesrecht bricht entgegenstehendes Landesrecht. Grundrechte können deshalb nicht dadurch außer Kraft gesetzt werden, dass ein Land etwas anderes beschließt.
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